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Prof. Dr. Steinkraus und sein Ärzteteam des Dermatologikums Hamburg, präsentiert von stadtaerzte.de

Interview Prof. Dr. Volker Steinkraus

Frage: Was verstehen Sie unter „Schöner Haut“?

Antwort Prof. Steinkraus:
Die sogenannte „schöne Haut“ ist schwer zu definieren, da Schönheit individuell empfunden wird. In der Regel wird aber nur eine gesunde und „ungestresste“ Haut, die Vitalität ausstrahlt, als schön empfunden.

Frage: Was muss man sich unter „gestresster“ Haut vorstellen?

Antwort Prof. Steinkraus:
Als größtes Organ des Menschen bietet die Haut eine riesige Angriffsfläche für physikalische, biologische und chemische Faktoren, wovon UV-Licht sicherlich der bedeutendste Stressfaktor von außen ist. Hinzu kommen häufig innere Stressfaktoren wie seelische Belastungen, Überarbeitung, Schlafdefizite, hormonelle Störungen, Störungen im Flüssigkeitshaushalt, schlechte Ernährung und Nikotin. All dies sind Stressfaktoren, die sichtbare Spuren auf der Haut zurücklassen und die auch für den Nichtmediziner leicht zu erkennen sind.

Frage: Ist „schöne Haut“ angeboren?

Antwort Prof. Steinkraus:
Jein! Natürlich gibt es eine Anlage für den Hauttyp (feinporig, grobporig, trocken, fettig, sogenannte empfindliche Haut etc.) und auch die Intensität, mit der sich die oben genannten Stressfaktoren auf der Haut markieren können, ist familiär bedingt sehr unterschiedlich. Neben den familiären Erbanlagen sind es jedoch auch Pflege- und konsequente Verhaltensmaßnahmen, die eine Haut als „schön“ erscheinen lassen.

Frage: Ist „schöne Haut“ altersabhängig?

Antwort Prof. Steinkraus:
Nein! Die Haut kann in jeder Lebensphase eine besondere Ausstrahlung und Schönheit entfalten. Nur benötigt die Haut eines älteren Menschen hierfür mehr Unterstützung. Die Hautdrüsen sind in fortgeschrittenem Alter weniger aktiv und die Spannung in der Lederhaut, die wesentlich für das Erscheinungsbild der Oberhaut verantwortlich ist, lässt nach. Dies muss durch gezielte Pflege von außen sowie eine gute Pflege von innen, z.B. durch Meiden der bereits erwähnten Stressfaktoren, erreicht werden. Natürlich wird die ungeschädigte, faltenfreie Haut des jungen Menschen eher als die Altershaut mit dem Attribut der Schönheit versehen. Es ist jedoch meine Erfahrung, dass Sechzigjährige meist gar nicht mehr die Haut eines Dreißigjährigen haben möchten. Im Gegensatz zu früher sind heute jedoch sehr viele Menschen auch im fortgeschrittenen Alter geistig und körperlich höchst leistungskräftig, d.h. sie sind biologisch jünger als kalendarisch. Hier besteht der berechtigte Wunsch, dass auch die Haut diese neue und bewusst erlebte „Jugendlichkeit“ wiederspiegelt, ohne dass hier eine systematische Verjüngung angestrebt wird, von der man weiß, dass sie eigentlich gar nicht zu einem passen würde.

Frage: Was raten Sie jemand, der sich nun doch, wie Sie sagen, systematisch verjüngen möchte?

Antwort Prof. Steinkraus:
Hier gibt es kein Patentrezept. In einem eingehenden ärztlichen Gespräch müssen unter Berücksichtigung des Behandlungsrisikos die Wünsche des Betroffenen mit der Realität des Machbaren in Einklang gebracht werden. Es gibt heute jedoch eine Fülle von milden, sogenannten konservativen Therapieansätzen bis hin zur Laserchirurgie und plastisch chirurgischen Maßnahmen, die erörtert werden können.

Frage: Welche Pflege empfehlen Sie für die unterschiedlichen Hauttypen, damit ein möglichst „schönes Hautbild“ erreicht bzw. erhalten werden kann?

Antwort Prof. Steinkraus:
Die Individualität der Haut ist grenzenlos. Jede Einteilung in sogenannte Hauttypen ist künstlich. Demnach muss auch die Pflege individuell gestaltet werden. Was der eine verträgt, verträgt der andere noch lange nicht, selbst wenn er zum selben sogenannten Hauttyp zählt. In Abhängigkeit von den Erfahrungswerten des einzelnen, vom Lebensalter, täglichen Belastungsfaktoren sowie den individuellen kosmetischen Wünschen muss jeder sein maßgeschneidertes Pflegekonzept anwenden. Dies kann er allein, besser jedoch in Zusammenarbeit mit einer dermatologisch erfahrenen Kosmetikerin oder einem kosmetisch erfahrenen Dermatologen ausarbeiten. Wie so häufig gilt auch hier: „Weniger ist mehr“. Ein Sammelsurium und Durcheinander in der Anwendung kosmetischer Produkte ist nicht empfehlenswert.

Frage: Kann die Haut durch regelmäßige kosmetische Behandlungen „schöner“ werden?

Antwort Prof. Steinkraus:
Nein, wenn es sich um eine rein dekorative, visagistische Kosmetik handelt. Ja, wenn es sich um eine dermatologisch-medizinische Kosmetik handelt, die neben Tiefenreinigung auch verschärfte Peelingverfahren, Gesichtsmassagen mit Unterstützung des Lymphabflusses, ganzheitliche Entspannungsübungen und Maßnahmen zum Hautschutz berücksichtigt. Kosmetik darf nie nur der Schönheit gelten, immer muss der Hautschutz im Vordergrund stehen. Je effektiver das Letztere, desto größer die Wirkung für das Erstere.

Frage: In Schlagworten, was muss ein Mensch berücksichtigen, damit seine Haut möglichst „schön“ wird oder bleibt?

Antwort Prof. Steinkraus:
Guter, effektiver Sonnenschutz; wenig oder besser kein Nikotin; reichlich Flüssigkeitsaufnahme; ausgewogene kalorienbewußte Ernährung mit viel Kohlenhydraten und Vitaminen; milde Reinigung; Auswahl des richtigen Fettgehaltes innerhalb der Hautpflegeprodukte; gute vegetative Rhythmisierung des Gesamtorganismus (Schlaf, Sport); ausreichende Erholungsphasen nach mentalem oder körperlichem Stress; alles aktivieren, was Lebensfreude vermittelt.